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TV-Duell in Mecklenburg-Vorpommern: Wenn Manuela Schwesig ihren Zettel auspackt

September 10, 2026Pablo Navarro4 мин

Manuela Schwesig begann, aus einem Schreiben der AfD vorzulesen, in dem kostenlose Kitas in Mecklenburg-Vorpommern kritisiert wurden. Ihre Stimme klang triumphierend, als sie zitierte: „Was nichts kostet, erscheint eben nichts wert“, bezüglich der beitragsfreien Kinderbetreuung. Die AfD Mecklenburg-Vorpommern hatte argumentiert, dass die Haushaltslage die „Kita-Kostenfreiheit, die sich neben Mecklenburg-Vorpommern nur der Pleite-Stadtstaat Berlin leistet, immer fragwürdiger und unvernünftiger erscheinen“ lasse.

Schlagabtausch in der Märchenkulisse des Schweriner Schlosses

Kurz zuvor hatte ihr Herausforderer Leif-Erik Holm, Spitzenkandidat der AfD, im Live-TV erklärt, dass auch die AfD in Mecklenburg-Vorpommern die kostenlosen Kitas befürworte. Für Schwesig war dies ein Beweis für Holms Unehrlichkeit: „Sie täuschen die Leute.“ Die 52-jährige Schwesig agierte an diesem Abend angriffslustiger als ihr 56-jähriger Kontrahent, der sich ruhig verteidigte. Die Wahl steht am 20. September bevor.

Holm hatte die „Kostenexplosion“ bei den Kitas kritisiert und gefordert, „besser zu kontrollieren, dass wirklich auch nur die Eltern, die wirklich einen Vollzeitplatz brauchen, auch einen nehmen“. Schwesig konterte, dass die Kita-Kosten nur gestiegen seien, „weil wir die Erzieherinnen und Erzieher endlich besser bezahlen“.

Es war das erste TV-Duell zwischen der amtierenden SPD-Ministerpräsidentin und Spitzenkandidatin Schwesig und ihrem AfD-Herausforderer Holm, das von ntv und Ostseewelle ausgestrahlt wurde. Die Debatte fand im Schweriner Schloss statt, einem prachtvollen Ort, der für die SPD eine ideale Kulisse bot: roter Teppich, weinrote Wände und die Ministerpräsidentin in einem roten Hosenanzug. Goldene Wandleuchter und weiße Statuen verliehen dem Raum eine feierliche Atmosphäre für den politischen Schlagabtausch. Moderatorin Pina Atalay wirkte anfangs weniger engagiert und fungierte primär als Stichwortgeberin, um die Redezeit einzuhalten.

"Glauben Sie, dass Sie mit einer Anti-AfD-Kampagne Wähler gewinnen können?"

Duell-Moderatorin Pina Atalay

In der kommenden Woche werden Holm und Schwesig im NDR zu sehen sein. Zuvor gab es bereits Diskussionen um die TV-Duelle, da die CDU sich benachteiligt fühlte, weil ihr Spitzenkandidat Daniel Peters nicht eingeladen wurde. Bei der Landtagswahl treten in Mecklenburg-Vorpommern mehr Parteien an als nur SPD und AfD. Aktuellen Umfragen zufolge liegt die AfD bei 35 Prozent, gefolgt von der SPD mit 32 Prozent. Die CDU kommt nur noch auf acht Prozent, die Linke auf elf und die Grünen auf fünf.

Schwesig hat ihren Wahlkampf vollständig auf das Duell mit der AfD ausgerichtet. Einen Tag nach dem Sieg der AfD in Sachsen-Anhalt präsentierte sie in Schwerin eine neue Plakatkampagne mit dem Slogan „Frau gegen Blau“, als gäbe es in Mecklenburg-Vorpommern nur diese beiden Parteien.

Diese Strategie setzte die 52-Jährige auch im ersten TV-Duell fort und distanzierte sich teilweise von der Bundes-SPD, indem sie an Friedrich Merz gerichtet sagte: „Er kann nicht immer nur Nein sagen.“ Schwesig ist bekannt für ihre exzellente Vorbereitung und die Fülle an Daten, die sie präsentiert, was ihre Redebeiträge manchmal zu einer Art monotonem Referat über ihre eigene Amtszeit macht. Am überzeugendsten ist sie, wenn sie über Bildung, soziale Themen und den direkten Kontakt zu Bürgern spricht.

Für das TV-Duell schien Schwesig sich vorgenommen zu haben, ihren AfD-Herausforderer inhaltlich herauszufordern, was ihr teilweise gelang. Überraschend war, wie intensiv die beiden Kandidaten inhaltlich über Themen wie Energiewende, Tankrabatt und den Krieg in der Ukraine stritten. Persönliche Angriffe blieben jedoch nicht aus. Schwesig warf Holm vor: „Sie reden das Land schlecht“, woraufhin Holm antwortete: „Sie machen halt das Verkehrte.“

Schwesig versprach eine „starke Wirtschaft mit guten und sicheren Arbeitsplätzen“, Unterstützung für Familien und Maßnahmen für den sozialen Zusammenhalt. „Ich halte die AfD für eine gefährliche Partei für unser Land, für die Wirtschaft, für das Soziale, auch für uns Frauen“, sagte sie in die Kamera.

Leif-Erik Holm trug einen dunkelblauen Anzug mit weißem Hemd. Auf die Frage der Moderatorin: „Wie viel Ulrich Siegmund steckt in Ihnen?“ antwortete er: „Ha, jeder Jeck ist anders.“

Was „Remigration“ und Tourismus miteinander zu tun haben

Der 56-jährige Holm präsentierte sich öffentlich gemäßigter als Ulrich Siegmund und trat bürgerlich-konservativ auf. Er ist vierfacher Vater, und neben der inneren Sicherheit ist Bildung sein Lieblingsthema im Wahlkampf. Anders als der Landesverband in Sachsen-Anhalt will die AfD in Mecklenburg-Vorpommern die Schulpflicht nicht abschaffen. Für Holm sind viele Positionen der Bundes-AfD akzeptabel.

Holm zeigte sich bestärkt durch das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und spürt eine Aufbruchstimmung: „Wir sind wieder in so einer Zeit des Wandels wie 1989 so ein bisschen, in einer Zeit des Aufbruchs.“ Er kündigte an, die Politik in Schwerin und später auch in Berlin ändern zu wollen.

Während AfD-Chefin Alice Weidel von „massenhafter Remigration“ spricht, erklärte Holm, dass im Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern die geordnete Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland „völlig in Ordnung“ sei, und nannte als Beispiel „Vietnamesen und Kasachen in der Gastronomie“. Er betonte jedoch gleichzeitig die Notwendigkeit, illegale Zuwanderung konsequent zu unterbinden.

In der Generaldebatte im Bundestag hatte Friedrich Merz das Wort „Remigration“ als Synonym für „ethnische Säuberungen“ bezeichnet und davor gewarnt, dass dies das Handwerk, die Pflegeheime und Gaststätten in Deutschland lahmlegen würde.

Leif-Erik Holm sieht dies anders und erklärte, „Remigration“ bedeute für ihn, Menschen ohne Aufenthaltsrecht nach Hause zu schicken. Gleichzeitig gelte es aber auch, Bedingungen zu schaffen, damit Deutsche, die Deutschland verlassen, weil sie keine Perspektive mehr sehen, zurückkehren könnten.

Beim Thema Gesundheit zeigten sich Holm und Schwesig überraschend einig: Es brauche mehr zentrale Medizinische Versorgungszentren. Holm nickte zustimmend und fügte hinzu, dass die SPD schuld an der schlechten medizinischen Versorgung auf dem Land sei.